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Hexenverbrennung

Ihre weit aufgerissenen Augen ließen Sie zurückschrecken und zugleich Mitleid für sie empfinden. Trotzdem traute sich niemand der Anwesenden auch nur einen Schritt auf sie zu zugehen. Der lange Gang, den die Menschenmasse bildete, erinnerte sie an das Maul einer gefräßigen Schlange.
Mit aller Kraft schlug sie um sich, sodass sich der Griff der Verräter festigte. Es wurde dunkel um die Beteiligten, als das Geschrei vor Schmerz bis in die Unendlichkeit reichte und die Hilfe mehr und mehr in die Unerreichbarkeit der Engel rückte. Angstzerfressene Augen starrten in die Leere und gebaren farblose Tränen, die über ihre Wangen rannen. Nun begannen auch die klagenden Blicke der hilflosen Retter in Tränen unterzugehen.
Sie stand da. Angebunden wie ein Stück Vieh, auf den Tod lauernd. In ihrer Traurigkeit allein gelassen, reichte sie den Besessenen ihre zitternden Hände. Bitterlich wurde ihnen klar, dass sie es waren, die die Hoffnung und somit die Rettung, der Hilfesuchenden mit ihren eigenen Wünschen und Träumen im Feuer der Angst und des Zorns verbrennen würden.
Doch er ging nun auf sie zu, unbeirrt der Reaktionen der Verlorenen und reichte ihr selbstbewusst seine Hand , die sie mit einem schmerzverzerrten Gesicht entgegennahm und mit der ihrigen verschmelzen ließ. Ein warmer Lichtblick erspürte ihr erkaltetes Herz und erlöste es von den Eiskristallen, die es so sehr quälten. Die Augen des Gegenüber waren von einer Tiefe, die einen im endlosen Meer versinken ließen, aber auch die Gefährlichkeit der Einsamkeit ausdrückten. Trotz alledem waren sie von einer Schönheit, die kein Mensch in Worte zu fassen vermochte. Der Mächtige strahlte eine Wärme aus, die den Raum und die Zeit zum schmelzen bringen schien. Doch die Kälte der Trauer hielt würdig dagegen an und erlöste seine Gefangene der Tränen nicht aus der eisigen Umarmung der Mutlosigkeit.
Sie ging in den Flammen des Hasses und der Verachtung unter, doch seine Hand schützte sie. Auch wenn sie ihren Körper verlieren würde, ihre Seele würde für immer in der Endlosigkeit weiterleben. Ihre Rüstung begann sich aufzulösen und ebenso ihr Lebenswille.
Sie verlor sich. Ihr Atem verging in einem letzten Schrei.
Obwohl sie tiefste Trauer empfand, war sie dennoch nicht Unglücklich. Ihre Seele war wieder beim Anfang und würde sich nun einen neuen Körper für die Unendlichkeit erwählen.
Sie war zurückgekehrt zu ihrem Ursprung.

In Gedenken an Jeanne d'Arc

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